Vortragsreihe
Kunst - Gesellschaft - Politik

 
  Ambiguität und Engagement.
Zur Problematik politischer Kunst in der Moderne
 
Termin
Donnerstag, 20. Mai 2010,
18:00

Ort
IWM, Bibliothek
Spittelauer Lände 3
1090 Wien

Information
Institut für die Wissenschaften vom Menschen
T 01-313 58-0
iwm@iwm.at

 
Kooperationsveranstaltung des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen - IWM und des Renner-Instituts

Inhalt
Seit der Renaissance treten in den bildenden Künsten, einhergehend mit ihrer Autonomisierung, Elemente des Rätselhaften und Uneindeutigen in Erscheinung. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert wird Ambiguität als Grundcharakteristikum des Ästhetischen theoretisiert – in der modernen Kunsttheorie von Kant bis Adorno, von Novalis bis Eco, von Nietzsche bis Rancière gelten Offenheit, Rätselhaftigkeit und Uneindeutigkeit als essentiell für die Kunst. In erstaunlicher Kontinuität bis in die Gegenwart werden eindeutige Parteinahme oder plakative Aussagen als unkünstlerisch verurteilt, während Indifferenz und Ambivalenz als genuin künstlerisch, ja als Qualitätsmerkmal erscheinen. Wie aber verhält sich dieses moderne Paradigma der Ambiguität zu einer anderen Hervorbringung der Moderne – der politisch engagierten Kunst? Setzt Engagement nicht Eindeutigkeit voraus? In welcher Weise sind ambigue Strukturen auch engagierter Kunst inhärent? Welche Funktionen kann Ambiguität einnehmen, und in welchen Varianten tritt sie auf?

Referentin
VERENA KRIEGER
Professorin für Kunstgeschichte, Universität für Angewandte Kunst, Wien
Publikationen:
Ambiguität in der Kunst. Typen und Funktionen eines ästhetischen Paradigmas, hg. mit Rachel Mader, Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2010
Was ist ein Künstler? Genie – Heilsbringer – Antikünstler. Eine Ideen- und Kunstgeschichte des Schöpferischen, Köln: Deubner, 2007



Zur Vortragsreihe
Die Stellung und Funktion von Kunst in der Gesellschaft ist nicht erst neuerdings ungewiss geworden. Die Unsicherheit reicht weit zurück bis an den Beginn der Moderne in Europa als den Punkt, an dem Kunst aus ihrem angestammten Dienst an Thron und Altar entlassen wurde. Im Prozess der Modernisierung nahm Kunst verschiedene Rollen ein, sie war Traditionsgarant oder Ort der Utopie, sie wurde zur Sphäre des Anderen gegenüber der Realität der Moderne, und zweitweise wurde der Künstler zum Prototyp des modernen, selbstbestimmten und sich verwirklichenden Subjekts.
Die Reihe Kunst – Gesellschaft – Politik fragt nach dem Ort und der Funktion der Kunst heute. Was bleibt vom auratischen, einzigartigen und utopischen Charakter des Kunstwerks im Zeitalter von Massenproduktion und Massenkonsumption von Kunst? Wie unterscheiden sich heute, wo die Differenz zwischen Kunstwerk und Ware eingeebnet zu sein scheint, die zweckfreien Kunstwerke von anderen, nämlich zweckbezogenen ästhetischen Produkten, von Design, Werbung und Unterhaltung? Was ist aus der Funktion von Kunst geworden, Avantgarde, Kritik oder ein Gegenentwurf zur realen Welt zu sein? Und braucht eine Gesellschaft, die sich ganz und gar auf Zukunft hin orientiert und sich permanenter Innovation verschreibt, überhaupt noch Kunst als „Avantgarde“?

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